15.10.2026

KI-Agenten in der Logistik

Headerbild zum Thema KI-Agenten: Netzwerk aus Roboterkopf in Menschenhand

KI-Agenten in der Logistik: Wer das Fundament baut, gewinnt

Viele Unternehmen erwarten von KI-Agenten weniger manuelle Klärungsfälle und schnellere Entscheidungen bei Ausnahmen. Oft passiert aber zuerst etwas anderes: Schon die Vorbereitung legt offen, wo Daten, Schnittstellen und Verantwortlichkeiten nicht zusammenpassen. Wer diese Lücken schließt, verbessert seine Prozesse, bevor der erste Agent produktiv läuft.

Ausgangslage: Neue Technologie trifft gewachsene Systemlandschaften 

Kaum ein Technologiethema wird in der Logistik derzeit so intensiv diskutiert wie KI-Agenten: Software, die Aufgaben nicht nur beantwortet, sondern selbstständig plant und in Systemen ausführt. Gartner zählt „Agentic AI“ und kollaborative Multiagentensysteme zu den wichtigsten Technologietrends für die Supply Chain 2026.[1] Für Supply-Chain-Software mit Agentenfunktionen erwartet das Analystenhaus einen Anstieg der Ausgaben von unter 2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf 53 Milliarden US-Dollar im Jahr 2030. Der Anteil der Unternehmen, die solche Funktionen in ihrer Supply-Chain-Software nutzen, soll von 5 Prozent auf 60 Prozent steigen.[2] 

In derselben Analyse steht jedoch eine Einschränkung: Die Einführung in den Unternehmen werde der technischen Verfügbarkeit hinterherlaufen. Als Grund nennt Gartner die Lücke zwischen der Technologie und den übrigen Ebenen des Betriebsmodells, nämlich Datenmanagement, operative Steuerung, KI-Reife der Belegschaft, Veränderungswillen und die Vernetzung mit Partnern.[2] Für Deutschland zeigt sich ein ähnliches Bild:

51 Prozent der Logistikunternehmen nutzen bereits KI, doch 54 Prozent fehlt nach eigener Aussage die Expertise, sie in ihre Prozesse einzubinden.[3] 

Das deckt sich mit einer typischen Praxissituation. Im Lager und im Transport arbeiten Lagerverwaltung (WMS), ERP, Transportmanagement (TMS), Yard-Management, Carrier-Portale, Excel-Listen und E-Mail-Postfächer nebeneinander. Menschen überbrücken die Medienbrüche mit Erfahrung, Telefon und manueller Nacharbeit. Ein KI-Agent kann diese Rolle nicht einfach übernehmen, wenn er die Daten nicht zuverlässig lesen und die Systeme nicht kontrolliert bedienen kann. 

Unsere These: Agenten sind Katalysator, nicht Revolution 

Aus unserer Sicht entsteht der dauerhafte Nutzen von KI-Agenten weniger durch den Agenten selbst als durch das, was seine Einführung erzwingt. Ein Agent arbeitet nur so verlässlich wie die Daten, Schnittstellen und Regeln, auf die er zugreift. Wer ihn einführen will, muss deshalb bei Daten, Schnittstellen, Berechtigungen, Standards und Prozesswissen nacharbeiten – und genau diese Arbeit zahlt sich auch ohne Agenten aus. 

Die entscheidende Frage lautet damit nicht mehr, welchen Agenten man einsetzen kann, sondern: Was muss im eigenen Prozess- und Systemumfeld gegeben sein, damit ein Agent verlässlich arbeiten kann? 

Use Case: Wie KI-Agenten den Ausschreibungs- und Auswahlprozess unterstützen  

Für einen international tätigen Hersteller von Stall- und Fütterungstechnik für die Nutztierhaltung haben wir den Prozess des Angebotsvergleichs in Transportausschreibungen mit einem KI-Agenten neu aufgesetzt. 

Ausgangssituation: 

Auf jede Ausschreibung antworten mehrere Frachtführer, jeder im eigenen Format: als PDF-Anhang, als Tabelle oder mit Preisen direkt im Mailtext. Die Disposition musste jedes Angebot der richtigen Ausschreibung zuordnen, Preise und Konditionen herausziehen, Vollständigkeit und Plausibilität prüfen und alles in eine Vergleichsübersicht übertragen. Je nach Umfang dauerte die Aufbereitung eines einzelnen Angebots 30 bis 60 Minuten, pro Ausschreibung kamen so teils mehrere Stunden zusammen. 

Ein Muster, das viele Unternehmen kennen: Unter diesem Zeitdruck bleibt für den Blick auf die bisherige Leistung der Frachtführer wenig Raum, und unvollständige Angebote fallen zu spät auf. 

 Mit Agenten- und Workflowsystem: 

  1. Erkennen und zuordnen: Ein automatisierter Ablauf überwacht ein eigens eingerichtetes Postfach, erkennt eingehende Angebote anhand definierter Merkmale und ordnet sie über die hinterlegte Ausschreibungsnummer zu. 
  2. Auslesen und prüfen: Ein Sprachmodell liest die Angebote aus – unabhängig vom Format – und prüft sie auf Vollständigkeit und Plausibilität. Fehlende oder auffällige Angaben werden markiert. 
  3. Vergleichen und bewerten: Die Preise werden vergleichbar gemacht und gegenübergestellt. Zusätzlich fließen die bisherige Leistung der Frachtführer und die hinterlegten Vergabekriterien ein. 
  4. Empfehlen: Die Disposition erhält eine Vergleichsübersicht mit Preisabweichungen, Auffälligkeiten und einer begründeten Empfehlung. Die Vergabe bleibt ihre Entscheidung. 
 
Technisch basiert die Lösung auf der Workflow-Plattform n8n und einem Sprachmodell. Das Modell greift über eine angebundene Wissensbasis (Retrieval-Augmented Generation, kurz RAG) auf unternehmensspezifische Informationen zugreift. Strukturierte Daten wie Ausschreibungen und Leistungshistorie werden direkt aus der Datenbank abgefragt.

Was dafür nötig war: 

Der Agent funktioniert, weil zuvor die Grundlagen geschaffen wurden: 

  • eindeutige Ausschreibungsnummern in einer zentralen Datenbank
  • eine gepflegte Datenbasis zur bisherigen Leistung der Frachtführer
  • definierte Prüf- und Vergleichskriterien: Wann ist ein Angebot vollständig? Ab welcher Abweichung ist ein Preis auffällig?

Schon diese Vorarbeit macht den Ausschreibungsprozess transparenter, mit oder ohne Agent.  

Wie ein sinnvoller Einstieg aussieht 

Ein Sprachmodell liest Informationen aus, ordnet sie ein und bewertet sie. Ein KI-Agent nutzt diese Fähigkeit, zerlegt eine Aufgabe in Arbeitsschritte, greift dafür auf Systeme und Werkzeuge zu und führt Aktionen aus, die das Unternehmen festlegt. Je mehr ein Agent selbst übernimmt, desto klarer müssen Prozess, Daten und Entscheidungsregeln sein. Wer den Einsatz von KI-Agenten prüfen will, sollte deshalb beim Prozess beginnen, nicht beim Tool: 
 
  1. Anwendungsfall mit klarem Schmerzpunkt wählen: Geeignet sind bspw. wiederkehrende Vorgänge, bei denen Dokumente von außen eingehen und manuell geprüft werden. 
  2. Ist-Prozess aufnehmen: Wer ist beteiligt, welche Systeme werden genutzt, wo entstehen Medienbrüche, welches Erfahrungswissen steckt im Ablauf? 
  3. Daten- und Schnittstellenreife prüfen: Sind die notwendigen Daten vorhanden, korrekt und automatisiert zugänglich? 
  4. Entscheidungsrahmen festlegen: Was meldet der Agent, was schlägt er vor, was darf er ausführen und wer gibt frei? 
  5. Klein starten und messen: Ausgangswerte vor dem Pilot erfassen, etwa die Bearbeitungszeit je Fall. Nur so lässt sich der Nutzen später belegen. 

Unser Fazit

KI-Agenten in der Logistik leisten dort einen spürbaren Beitrag, wo heute Menschen Informationen aus vielen Quellen zusammentragen, um zu entscheiden. Das Praxisbeispiel zeigt die Größenordnung: Aus 30 bis 60 Minuten Aufbereitung je Angebot wird weniger als eine Minute. Möglich wurde das jedoch erst durch saubere Daten, klare Kriterien und eine eindeutige Rollenverteilung.  

Unternehmen, die diese Grundlagen schaffen, profitieren doppelt: Ihre Prozesse werden bereits heute stabiler, und sie sind für die nächste Technologiegeneration vorbereitet, gleich wie sie heißt. 

Welcher Prozess bindet in eurer Logistik die meiste Zeit? Wir unterstützen Unternehmen dabei, geeignete Anwendungsfälle zu identifizieren, Prozesse und Datenbasis zu bewerten und KI-Agenten strukturiert in den Betrieb zu bringen. Sprecht uns gerne an. 

Quellen 
[1] Gartner (30.06.2026): Gartner Identifies Top Supply Chain Technology Trends for 2026. Pressemitteilung. https://www.gartner.com/en/newsroom/press-releases/2026-06-30-gartner-identifies-top-supply-chain-technology-trends-for-2026 (abgerufen am 24.09.2026) 
[2] Gartner (07.04.2026): Gartner Forecasts Supply Chain Management Software with Agentic AI Will Grow to $53 Billion in Spend by 2030. Pressemitteilung. https://www.gartner.com/en/newsroom/press-releases/2026-04-07-gartner-forecasts-supply-chain-management-software-with-agentic-ai-will-grow-to-53-billion-in-spend-by-2030 (abgerufen am 24.09.2026) 
[3] Bitkom e. V. (10.09.2026): Die Logistik investiert in KI – doch es fehlt Knowhow. Presseinformation. https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Die-Logistik-investiert-in-KI-doch-es-fehlt-Knowhow (abgerufen am 24.09.2026) 
[4] OWASP GenAI Security Project (2025): LLM01:2025 Prompt Injection. https://genai.owasp.org/llmrisk/llm01-prompt-injection/ (abgerufen am 24.09.2026) 
[5] Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), Anhang III Nr. 4. Amtsblatt der EU. https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2024/1689/oj?locale=de (abgerufen am 24.09.2026) 
[6] Verordnung (EU) 2026/1744 vom 8. Juli 2026 zur Änderung der KI-Verordnung („Digital Omnibus on AI“). Amtsblatt der EU. https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2026/1744/oj?locale=de (abgerufen am 24.09.2026) 
[7] Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG), § 87 Abs. 1 Nr. 6. https://www.gesetze-im-internet.de/betrvg/__87.html (abgerufen am 24.09.2026) 
[8] Linux Foundation (09.12.2025): Linux Foundation Announces the Formation of the Agentic AI Foundation. Pressemitteilung. https://www.linuxfoundation.org/press/linux-foundation-announces-the-formation-of-the-agentic-ai-foundation (abgerufen am 24.09.2026) 
[9] Agentic AI Foundation (17.08.2026): A2A Joins AAIF. Blogbeitrag. https://aaif.io/blog/a2a-joins-aaif (abgerufen am 24.09.2026) 
[10] Gartner (25.02.2026): Gartner Survey Shows 55% of Supply Chain Leaders Expect Agentic AI to Reduce Entry-Level Hiring Needs. Pressemitteilung. https://www.gartner.com/en/newsroom/press-releases/2026-02-25-gartner-survey-shows-55-percent-of-supply-chain-leaders-expect-agentic-ai-to-reduce-entry-level-hiring-needs (abgerufen am 24.09.2026)